Vorteile der gaslosen Lift-Laparoskopie

2. Oktober 2011

Vorteile für die Patientin:

Durch den Verzicht auf das Aufpumpen mit Kohlendioxid resultieren deutlich weniger Schmerzen nach der Operation. Im wesentlichen werden die nach endoskopischen Operationen beobachteten störenden Schulterschmerzen verhindert oder stark eingeschränkt. Die Patientin braucht im Vergleich zur Bauchspiegelung mit Gas weniger schmerzstillende Medikamente. Die Erholungsphase und die Rückkehr zur normalen Aktivität ist gegenüber der Gas-Bauchspiegelung noch weiter verkürzt und dauert zum Beispiel nach einer Gebärmuterentfernung nur noch ca. zwei Wochen. Die Operation ist sicherer und präziser, da vollständig auf die langen und ungewohnten Instrumente verzichtet werden kann. Das Infektionsrisiko aufgrund schlecht gereinigter endoskopischer Instrumente und verschiedener Schlauch- und Pumpsysteme ist ausgeschaltet. Ernste Komplikationen des "blinden" Einstich unterbleiben, da bei der gaslosen Bauchspiegelung unter Sicht in den Bauchraum eingegangen wird. Komplikationen aufgrund von Klammer- und Nahtsystemen oder durch elektrische Verschorfung, z.B. Verletzungen von Harnleiter bei der endoskopischen Gebärmutterentfernung werden vermieden. Noch nicht absehbare Spätkomplikationen aufgrund von im Körper verbleibenden Titanklammern, die noch noch untersucht werden müssen, unterbleiben. 

Auch alle aufgeführten Nebenwirkungen, Risiken und Komplikationen, die durch das Kohlensäuregas entstehen, werden ausgeschaltet, so dass neben jungen und gesunden Patientinnen auch ältere oder Risikopatienten mit der gaslosen Methode operiert werden können. Diese Technik erlaubt auch die Durchführung endoskopischer Operationen unter regionaler Betäubung, was bisher wegen dem massiven Druck des Gases im Bauchraum und der damit verursachten Schmerzen und Organkompression (Zwerchfell, Lunge) nicht möglich war. Auch die Operationen an Schwangeren sind möglich, da der Druck des Gases auf die wachsende Gebärmutter (Fehlgeburt, Mangeldurchblutung des Mutterkuchens und des Babys) und die Ansäuerung des Blutes beim werdenden Kind (Organschäden) durch die gaslose Methode verhindert werden und zudem auch ohne Vollnarkose operiert werden kann.

Domenico D'Ugo, Anästhesist aus Rom sagte 1997 auf dem Internationalen Symposium für Gaslose Laparoskopie in der Gynäkologie in Bochum:

"Die Benutzung von Kohlendioxid ist fast der einzige Grund zum Ausschluß von Hochrisiko-Patienten, die in Wahrheit die einzigen wären, die wirklich von der minimal invasiven Prozedur profitieren würden…"

Vorteile für den Operateur:

Gefährliche und für die endoskopische Chirurgie typische Komplikationen während des "blinden" Einstichs mit der Nadel zur Gaseinblasung oder mit dem ersten Trokar unterbleiben. Der Chirurg kann neben speziellen auch herkömmliche Instrumente aus der Chirurgie einsetzen. So können chirurgische Nähte mit der langerprobten Technik mit Nadel und Faden erfolgen, anstatt mit Klammer- und Nahtapparaten oder mittels Verschorfung mit Strom, die teuer sind oder Komplikationen bewirken können und deren Nutzen und Benefit noch nicht geklärt ist. Auch lassen sich altbewährte, über Jahrzehnte erprobte Operationstechniken anwenden, womit eine größere Präzision und Sicherheit der Operation erreicht und die Operationszeit verkürzt wird. Im Gegensatz zu den langen endoskopischen bleibt bei konventionellen Instrumenten das taktile Gefühl der Hand erhalten, das heisst der Arzt kann fühlen, was er schneidet und anfaßt oder komprimiert. Zusammen mit der Lupenvergrößerung des Endoskops verläuft die Operation präziser und sicherer. Auch die Lernphase dieser Technik für den Arzt ist deutlich kürzer, da er nur das Arbeiten auf dem Monitor lernen muß, die Technik der Operation bleibt dieselbe wie beim Bauchschnitt und damit leichter. 

Vorteile für das Gesundheitswesen:

minimal-invasive Operationen mittels Bauchspiegelung mit Kohlendioxid sind etwa sieben mal teurer als der Bauchschnitt. Minimal-invasive Operationen mit Hilfe der gaslosen Bauchspiegelung sind kosteneffektiver, was durch den Verzicht auf Systeme, die die Bauchspiegelung mit Gas teuer machen, erreicht wird. Instrumente können gereinigt werden wie bisher, es sind keine speziellen Spülmaschinen erforderlich. Die Haltbarkeit von konventionellen Instrumenten ist deutlich länger, sie gehen nicht so schnell kaputt wie die Instrumente für die Gas-Methode und müssen deshalb auch nicht so häufig repariert oder ersetzt werden. Auch ist es nicht nötig, immer neue Instrumente und Errungenschaften der Industrie einzusetzen, damit die Sicherheit und die Handhabung einer Bauchspiegelung unter Gas erhöht und verbessert wird. Bei der gaslosen Methode werden keine Einmalartikel, wie Titanklammerapparate und keine speziellen Fäden, die enorm teuer sind, eingesetzt. Die Operation ist, durch die Kombination der minimal-invasiven Technik (kurze Krankenhasuverweilzeit und Erholungsphase) und die Kosteneffektivität der gaslosen Technik insgesamt deutlich günstiger als die Bauchspiegelung mit Gas. 

Die Technik ist einfach und leichter zu erlernen, so daß mehr Chirurgen, die die endoskopische Operation wegen ihrer Schwierigkeit bisher nicht durchgeführt haben, diese Technik einsetzen können. Damit werden mehr Patienten von der minimal-invasiven Operationsmethode profitieren. Besonders in den ärmeren Ländern unserer Welt, wo mangels entsprechender Ausstattung und hoher Kosten von Geräten und Instrumenten, endoskopische Operationstechnik kaum verbreitet und eingeführt wurde, können Patienten durch die Bauchspiegelung mittels der Lift-Technik problemlos operiert werden.

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